Kunst Archiv 6

Kunst und Kultur: das ist kein Randgebiet kirchlicher Aktivitäten und schon gar kein Anhängsel in den vielfältigen gesellschaftlichen wie pastoralen Bemühungen der Kirchen in Deutschland. Es ist vielmehr ein wesentlicher Bereich im Gesamt des kirchlichen Lebens. Deswegen zeigt DOMPLATZ 5 immer wieder ausgewählte Kunstwerke und schafft so Begegnung von Mensch, Kunst und Kirche.

Richard Vogl (*1952) SPRINGERINNEN - HELL, Öl auf Leinwand 2010 (Ausschnitt, im Eigentum des Künstlers)

Nur selten geht der Künstler mit einer vorgefaßten Idee an die Arbeit. Vielmehr gilt sein Augenmerk dem intuitiven Vorgang der Bildfindung selbst. Ähnlich wie Heinrich von Kleist in seinem Aufsatz "Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden" die Tiefe der Erkenntnis nicht an ihre Spontaneität knüpft, sondern an ihre kritische Entwicklung, so mißtraut Vogl der künstlerischen Virtuosität und ersetzt sie durch eine systematische Selbstkorrektur. Immerwieder übergeht er das Gemalte, überlagert es durch eine weitere Farbschicht, die mit dem Gegebenen neu zusammengestimmt werden muß.  So verdichtet sich im permanenten Übermalen, im Aufbauen und Zerstören, das Gemälde. Bildschichten entstehen und ebenso wachsen Bedeutungsschichten. Innere Bilder bahnen sich ihren Weg. (Helga Gutbrod)

Johanna Gebetsroither, REGENSBURG, Öl auf Holz 2010 - entstanden nach einem Aufenthalt in Regensburg, Signiert und datiert (Ausschnitt)

„Johanna Gebetsroithers Bilder erlauben, lehren und führen zu einer Bereitschaft der Wahrnehmung, sich auf Universelles einzulassen: auf das Schattige, die Brüche, Gratwanderungen und Kratzer unserer Existenz – und auf ihre Schönheit, die Balance und das Strahlen. Beide Seiten leben in uns – manchmal erinnert, verborgen, erwünscht, verschlüsselt, ersehnt…
Die Künstlerin ist kompromisslos in der Verdichtung ihrer Gestaltung, in der Unbeirrbarkeit dem Licht sein Leuchten zu geben, um das Gegenständliche als Metapher der Transzendenz sichtbar, greifbar, fühlbar werden zu lassen.
Die erdige Farbigkeit erschließt dem Betrachter / der Betrachterin die eigentliche Nuanciertheit des ganz Alltäglichen; eine Wahrheit die eingeschlossen allem Sein zugrunde liegt und darauf wartet, erkannt zu werden.“
Dr. Nurit Sommer, Kulturanthropologin

Roswitha Frank, DER TOD IST GROSS, Öl/Kreide 2009 (Ausschnitt)

„Alle Dinge sind ja dazu da, damit sie uns Bilder werden in irgendeinem Sinn“ schrieb Rilke an Frieda von Bülow. Wo ist Gott, das „Ding der Dinge“? Beeinflusst von der Philosophie Friedrich Nietzsches macht sich der „religiöseste Dichter seit Novalis“ (so Robert Musil) zu Beginn des letzten Jahrhunderts daran, im „Buch der Bilder“ von Gott zu sprechen. Das Schlussstück im zweiten und letzten Buch beginnt mit „Der Tod ist groß.“

Unter dem Eindruck eines Zeitraums persönlicher Todeserfahrungen entstanden 2009 das gleichnamige Bild und „Er-schöpfung“ (gleichzeitig zu sehen im Rahmen der Reihe „Da-Sein“ in Neustadt an der Donau). Das Bild offenbart einen der sensibelsten Bereiche menschlicher Grunderfahrung. Die verschwindenden Buchstaben lassen uns in der Gemeinschaft des Wortes zurück, so wie die verschwindenden Menschen in uns verbleiben.

Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.

Roswitha Frank, Regensburg

Thomas Ferber, REGENSBURG – PANORAMABLICK VON ST. MANG / ST. ANDREAS, Fotografie 140 x 50, 2010 / 2011 (Ausschnitt).

Dem Himmel ein Stück näher ist der Regensburger Fotograf Thomas Ferber gerückt. Der 48-Jährige ist der Stadt Regensburg aufs Dach gestiegen und hat mit seiner Kamera eineinhalb Jahre lang von Türmen und anderen Aussichtspunkten rund um die Altstadt aus einzigartige Panoramablicke eingefangen: Die besonderen Lichtstimmungen zur blauen Stunde, die Dächer und Türme der Stadt, ihre Silhouette von oben, mal in warmen Sommerfarben, mal im klaren Winterweiß.

Das hier präsentierte Bild wurde im schneereichen Winter 2010/2011 vom Glockenturm der Pfarrkirche St. Mang / St. Andreas in Stadtamhof aufgenommen und zeigt die Stadt kurz vor Einbruch der Nacht, im letzten Rest Tageslicht an einem klirrend kalten Winterabend.

Ludwig Bäuml, DER WÄCHTER (Ausschnitt). Im Eigentum des Künstlers.

"Bäuml ist ein Sammler. Einer, für den auch eine weggeworfene leere Zigarettenachachtel noch einen Wert hat. Vor einigen Jahren sind daraus bildhafte Wandobjekte entstanden. Aufgerissen und in einem tief leuchtenden Blau bemalt, sind aus zerknüllten Gauloise-Schachteln, sorgsam mit anderen Fundstücken und feinen Goldspuren auf Leinwand arrangiert, meditative Findlinge geworden, die einen Weg ins Herz der Dinge weisen. Schon in einer frühen künstlerischen Arbeit zeigte sich dieser wertschätzende Umgang mit Dingen. Bereits als Junge hatte er Wurzelholz gesammelt. Später vergoldete er eine Auswahl und stellte sie auf Sockel. Als süßlich-verkitschte Volkskunst verbergen Wurzelfiguren Reste mythischen Aberglaubens mehr, als daß sie sie zeigen. Bäuml erhebt den natürlichen Abfall, der normalerweise nur noch zum Heizen taugt, ins Erhabene. Dabei nutzt er eine aus seinem Handwerk als Kirchenmaler entlehnte Technik, verbindet traditionelles Handwerk mit eigenen künstlerischen Vorstellungen. So sehr ihm dabei die dauernde und tiefgreifende Zerstörung der Natur Material und inneren Antrieb liefert, so wenig taugt dieser Ansatz allein zur Interpretation. Ein vergoldetes Wurzelstück, in der Morgensonne auf dem zugefrorenen Fluß aufgestellt, beginnt vor dem Hintergrund des winterlichen Kallmünz zu schweben. Die tragenden Metallstäbe werden zu Berührungspunkten, an denen sich das Überirdische mit der Welt verbindet. Die Verwandlung in eine Metapher gleicht einem modernen Totem. Es beinhaltet sowohl Verheißung, die Möglichkeit von Erfüllung und ewigem Frieden oder Ineins-Kommen, wie nichtchristliche Glaubensgemeinschaften das Ziel des menschlichen Lebens sehen, aber auch eine starke Mahnung." (Michael Scheiner, aus dem Magazin „Lichtung")

Eva Maria Fuchs, MENSCHEN AUF DEM WEG (Ausschnitt). Acryl auf Leinwand. Nicht signiert, ohne Jahr.

Zum Titel: “Menschen auf dem Weg”:
Ein Leben lang ist der Mensch auf dem Weg zu irgendeinem Ziel. Manchmal muss er den Weg alleine gehen, manchmal wird er begleitet auf diesem Weg. Auf dem Bild sind Menschen zu sehen, also einen Gemeinschaft, die sich auf den Weg macht… Menschen, die gemeinsam gehen. Weil manches einfach einfacher ist oder wird, wenn man nicht alleine ist. Weil manches schöner ist, wenn man nicht alleine ist. Weil manches tiefer ist oder wird, wenn man nicht alleine ist…

 

 

Jörg Träger, REGENSBURG MIT STEINERNER BRÜCKE (Ausschnitt), Öl auf Hartfaser, signiert und datiert, im Privatbesitz

„Der Verfasser, im Hauptberuf Kunsthistoriker, ist in geringerem Maße auch praktizierender Maler. Als solcher malt er, vornehmlich in den Ferien, gern Landschaften, und zwar sur le motif, wie Cézanne sagen würde. Er fährt mit dem Auto in die Natur und baut, wie einst die Impressionisten, seine Leinwand vor dem Sujet auf. Gelegentlich wird auch der geöffnete Kofferraum als mobiles Atelier genutzt. Kenner mögen darin die moderne oder postmoderne Variante zu Monets Arbeit in der schwimmenden Barke sehen. Das Bild wird jeweils mit Ölfarben an Ort und Stelle zu Ende gemalt. Dass er, der malende Kunsthistoriker, mit solchen Arbeiten nicht im Trend der Zeit liegt, sagt ihm die Stimme der Kunstgeschichte, von der Stimme der Kunstkritik ganz zu schweigen. Mehr und vielleicht schlimmer noch: Das so geschaffene Gemälde, das bei Bedarf gerahmt und an die Wand gehängt werden kann, steht schon seiner Entstehung nach quer zur geschichtlichen Entwicklung. Doch was besagt das schon? Hauptsache, es macht Spaß.“ (Jörg Träger)