Kunst Archiv 5

Kunst und Kultur: das ist kein Randgebiet kirchlicher Aktivitäten und schon gar kein Anhängsel in den vielfältigen gesellschaftlichen wie pastoralen Bemühungen der Kirchen in Deutschland. Es ist vielmehr ein wesentlicher Bereich im Gesamt des kirchlichen Lebens. Deswegen zeigt DOMPLATZ 5 immer wieder ausgewählte Kunstwerke und schafft so Begegnung von Mensch, Kunst und Kirche.

Jürgen Huber (geb. 1954): Aus dem Zyklus "TRAGEN UND LASTEN" (1997/98)

„Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen!“

Der Apostel Paulus hat dieses berühmte Wort nicht nur der Gemeinde in Galatien ins Stammbuch geschrieben, sondern jedem, der es ernst meint mit dem Leben. Lasten tragen, tragen Lasten – ein Grundgesetz unseres Daseins.

Jürgen Huber hat sich in seinem Bilderzyklus mit dieser Tatsache auseinandergesetzt. Dabei sind eine ganze Reihe von Werken entstanden, die gerade in ihrer zweiteiligen Spannung die Dynamik von Tragen und Lasten, von Belastung und Aufatmen, von Freiheit und Gefesselt-Sein, von Oben und Unten, vom Aufeinanderangewiesen-Sein wiederspiegeln.

Eines dieser Werke wird hier vorgestellt. Auch deshalb, weil uns gegenüber der Dom St. Peter aufragt, ein gotisches Meisterstück, in dem und an dem in vielfältiger Weise TRAGEN UND LASTEN geschieht und wahrgenommen werden kann.

Dr. Werner Schrüfer

 

 

Max Wissner (1873-1959): FLUCHT NACH ÄGYPTEN, Öl/Hartfaser, signiert: M.W.54

Über diesen Regensburger Malerfürsten des 20. Jahrhunderts, dessen Werk mehrere hundert Arbeiten umfasst und der Jahrzehnte lang hier gleich um die Ecke gelebt hat, schreibt Uta Spies:

„Mit Max Wissner verbindet man bis heute in und um Regensburg den kauzigen, humorvollen bis zynischen, extrem sparsamen, schlampigen, charmanten und dichtenden Maler-Bohemien. Noch 40 Jahre nach seinem Tod stellt der ‚Cezanne Bayerns’ und ‚Toulouse-Lautrec Regensburgs’ – wie er schon von seinen Bewunderern bezeichnet wurde – einen nie versiegenden Quell amüsanter Geschichten dar: Geschichten von beidseitig bemalten Bildern, von nachträglich durch die Auftraggeber „verbesserten“ Portraits, von unzähligen bürgerlichen Familien, bei denen er hier zum Mittagessen und da zum Kaffee einkehrte. Geschichten von tausend Freundinnen und nackertbusigen Mädchen, von seiner spröden Schwester, die er 70jährig noch ‚Mädle’ nannte und an deren Klavierunterricht viele Regensburger und Regensburgerinnen mit Schrecken zurückdenken.“

Zitiert aus: Uta Spies, Max Wissner, ...ein Regensburger Maler. Hrsg. von den Museen der Stadt Regensburg, Regensburg 1999, Seite 6

Fritz Königbauer, DER BRENNENDE DORNBUSCH, Aquarell/Stift, 102 x 49 cm, Sign. 2003, Im Besitz des Künstlers

„Auf die Frage, warum er male, antwortet Fritz Königbauer: ‚Malen ist Lebensbewältigung.’ Ihm geht es nicht um das narrative Ausgestalten in Bildform. Nein, Königbauer geht es in seiner Malerei vielmehr über das Verarbeiten von Emotionen, um das Breitlegen von Gefühlen. Und ein Künstler ist ein Sammelbehälter von Gefühlen!“ Dementsprechend drehen sich die Inhalte in seinen Bildern um die persönliche Evolution, um das Existieren in der Welt, um das Geheimnis vom Ursprung des Lebens, um ewige Themen in der Kunst, Liebe, Leid, Freude, Schmerz, Trauer, Leben und Tod, also um innerste Lebensfragen.“

Erich Gruber, Juli 2000


Zum Bild „Der brennende Dornbusch“ meint der Künstler
„Mose, rechts unten in die Ecke gedrängt, geblendet vom übermächtig brennenden Dornbusch. Rote und gelbe Linien setzen Akzente. Alles Überflüssige (Landschaft, Tiere) ist verbannt.“ Zitiert aus: Gottes Wege zu Dir, hrsg. u. a. vom Kath. Bildungswerk im Landkreis Dingolfing-Landau, o. J.

 

 

 

 

Hermann Eller (1925 – 2009), PFINGSTEN, 1984 – Öl / Hartfaser, 100 x 80 cm (Ausschnitt)

Zu seinen „religiösen“ Bildern schrieb Eller:

„Ich glaube, dass jeder ernsthafte Künstler einmal die Religion zum Thema seines Schaffens macht. Meine Einstellung zu Glaube und Kirche war in der Jugendzeit nicht besonders ausgeprägt, wie bei vielen Jugendlichen. Rückblickend ist mir klar, dass Krieg, Gefangenschaft, schwerste Arbeit im Bergwerk und Krankheit mit beigetragen haben, dass ich den Weg zum Glauben fand. Aber den größten Einfluß erfuhr ich durch die Malerei. Das Talent, das mir zufiel, öffnete die Augen und die Seele. Mir wurde bewusst, dass mir großes Lebensglück zuteil wurde, vor allem auch durch meine Familie, der ich hiermit danke. Oftmals werde ich im Atelier, in der Landschaft – beim Malen also – von Leuten angesprochen: ‚Sie können dem Herrgott danken, dass Sie das können.’ Die Antwort: ‚Das tue ich öfters als einmal am Tag’.“

Vorwort zum Buch Hermann Eller, Zwischen Himmel und Erde, Grafenau 1993

Jörg Schemmann (geb. 1959), WEIHNACHTSSTERN (Euphorbia pulcherrima) mit Schatten auf grünem Hintergrund, Acryl auf Leinwand, Erstellt 2009, 90 x 139 cm (Ausschnitt)

Auf den Landschaftsgemälden des Malers Jörg Schemmann sieht man keinen Horizont, nur die Weite des Himmels. In den häufig großformatig gemalten Kiefernwäldern, Obstbäumen und Pflanzen ist es das kontrasterzeugende Licht, das in einer schwerelosen Bildwelt Tiefe und Raum erzeugt. Die von Ferne wie Fotografien anmutenden Bilder erweisen sich bei Annäherung des Betrachters als reine, ungehemmte Pinselmalerei, die mit Realität oder Abbildhaftigkeit wenig zu tun hat. Der Betrachter wird dabei auf magische, stille Weise ins visuelle Geschehen des Bildraums eingebunden. Lässt er sich darauf ein, wird er des Gefühls der Freiheit an sich teilhaftig, auf die es Schemmann in seinen Gemälden wohl ankommt, wobei die durch die Bildgegenstände vermittelte Unendlichkeit noch genügend Raum für individelle Interpretationen lässt.

In den seit 2009 entstehenden "Schattengemälden" geht es Schemmann gleichfalls um Raumerzeugung. Der Schatten vermittelt einen imaginären Raum-, aber gleichfalls mit dem Anspruch der unendlichen Fortführung.

Frater Lukas Prosch Opraem (geb. 1980), CRUX SPES UNICA I, Acryl auf Leinwand 2005 (Ausschnitt)

„Für mich persönlich ist die Kunst in ihrer breiten Vielfalt ein wichtiges Medium für eine zeitgemäße Verkündigung des Christusglaubens, außerhalb und innerhalb unserer Kirchengebäude.“ 

„Das Kreuz – unsere einzige Hoffnung – im Ereignis des Kreuzestod Jesu Christ verdichten sich Leid und Freude ebenso wie Trostlosigkeit und erfüllende Hoffnung aufs engste miteinander. Das Kreuz wird in der frühen Geschichte des Christentums vom Todesort für Verbrecher zum Ort der Hoffnung aller Christen."

Fr. Lukas Prosch Opraem