Kunst Archiv 4

Kunst und Kultur: das ist kein Randgebiet kirchlicher Aktivitäten und schon gar kein Anhängsel in den vielfältigen gesellschaftlichen wie pastoralen Bemühungen der Kirchen in Deutschland. Es ist vielmehr ein wesentlicher Bereich im Gesamt des kirchlichen Lebens. Deswegen zeigt DOMPLATZ 5 immer wieder ausgewählte Kunstwerke und schafft so Begegnung von Mensch, Kunst und Kirche.

Willi Ulfig (1910-1983): Stadtansicht von Regensburg (1969)

Die Stadtansicht von 1969 bietet...einen weitgespannten panoramaartigen Blick über die Dächer auf den Dom, links davon erkennt man den hohen Turm des Rathauses. Es ist ein Winterbild mit verschneiten Dächern. Die Sonne steht im Osten, vermag den grau bezogenen Himmel nicht zu durchbrechen, lediglich ein aufgelichtetes Rund, diffuses Licht. Man spürt die Frostigkeit dieses Wintermorgens. Alle Bauten der Stadt sind mit weichen Linien umrissen, stellenweise finden sich verdichtete Strichlagen mit malerischer Fleckenwirkung, die Innenflächen der Architektur wurden aquarelliert.  

Zitiert aus: Werner Timm, Otto Baumann - Willi Ulfig - Kurt von Unruh, hrsg. von der Sparkasse Regensburg, 1995, S. 77

Max Wissner (1873-1959): Dom mit Steinerner Brücke (VI) (1955)

Über diesen Regensburger Malerfürsten des 20. Jahrhunderts, dessen Werk mehrere hundert Arbeiten umfasst und der Jahrzehnte lang hier gleich um die Ecke gelebt hat, schreibt Uta Spies:  

"Mit Max Wissner verbindet man bis heute in und um Regensburg den kauzigen, humorvollen bis zynischen, extrem sparsamen, schlampigen, charmanten und dichtenden Maler-Bohemien. Noch 40 Jahre nach seinem Tod stellt der "Cezanne Bayerns" und ?Toulouse-Lautrec Regensburgs" - wie er schon von seinen Bewunderern bezeichnet wurde - einen nie versiegenden Quell amüsanter Geschichten dar: Geschichten von beidseitig bemalten Bildern, von nachträglich durch die Auftraggeber "verbesserten" Portraits, von unzähligen bürgerlichen Familien, bei denen er hier zum Mittagessen und da zum Kaffee einkehrte. Geschichten von tausend Freundinnen und nackerbusigen Mädchen, von seiner spröden Schwester, die er 70jährig noch "Mädle" nannte und an deren Klavierunterricht viele Regensburger und Regensburgerinnen mit Schrecken zurückdenken."

Zitiert aus: Uta Spies, Max Wissner, ...ein Regensburger Maler. Hrsg. von den Museen der Stadt Regensburg, Regensburg 1999, Seite 6.

Udo Schirnbeck (geb. 1945), Winterlandschaft (2005)

Die gezeigte "Winterlandschaft" ist Teil einer Serie aus dem Zyklus "Ostbayerisches Espressivo", für den Motive aus allen Jahreszeiten umgesetzt wurden. Das Thema stand und steht "vor der Haustüre", hat aber nichts mit Heimattümelei zu tun. Mahnte nicht Paul Cezanne: "Warum malt ihr nicht das Land eurer Väter?"

 

 

 

Rudolf Koller (geb. 1942), Christus am Kreuz (1998)

Die stille Würde und Festigkeit des ?Torso? steht in grassem Gegensatz zum Gekreuzigten in einer besonders kraftvollen Zeichnung von Rudolf Koller (1988). Dieser Christus ist gleichfalls nach innen gerichtet, doch meint man hier noch den lauten Aufschrei zu hören, auf den diese jähe schmerzverkrümmte Zusammenballung folgt. Es ist wie ein Sichverkirechen des Körpers in sich selbst. Dieses zum Knäuel ver-dichtete Bild menschlicher Hilflosigkeit erinnert an die Haltung eines schutzsuchenden Embryo. Zum anderen lässt die einzig auf die Leibesmitte hin konzentrierte extreme körperliche Anspannung mit den wie im Krampf hochgerissenen Beinen die uralte Tradition der Kniegeburt aufscheinen. Und die Geburt ist schließlich Kernthema des Kreuzes.

(Dr. Friedrich Fuchs: Christus, das Bild des unsichtbaren Gottes)

Josef Rossmeier (geb. 1933), Auferstehung (1994)

AUFERSTEHUNG ? BILDVERSUCH  

es bildet sich was

ein Strich licht und das blut in den kelch

wort und gestalt aus dem stein

atem wie nie

ein vorhang geht auf

und du trittst herfür

deine wunde zeig her

der tod ist zergangen und der staub lebt

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