Kunst Archiv 1

Kunst und Kultur: das ist kein Randgebiet kirchlicher Aktivitäten und schon gar kein Anhängsel in den vielfältigen gesellschaftlichen wie pastoralen Bemühungen der Kirchen in Deutschland. Es ist vielmehr ein wesentlicher Bereich im Gesamt des kirchlichen Lebens. Deswegen zeigt DOMPLATZ 5 immer wieder ausgewählte Kunstwerke und schafft so Begegnung von Mensch, Kunst und Kirche.

Otto Baumann (1901-1992): Verkündigung Christi

Ein anderer großer Regensburger Künstler, Walter Zacharias (+ 2000), Freund und Schüler Baumanns, würdigte das religiöse Schaffen zu dessen 90. Geburtstag wie folgt:

"Die religiösen Bilder nehmen im Gesamtwerk Otto Baumanns zwar einen guten Stellenwert in Qualität und Anzahl ein, entstanden aber nie kontinuierlich, sondern je nach innerer Verfassung und meist zu gegebenen heiligen Zeiten wie Weihnachten, Karwoche und Ostern. Sie sind keine erzählenden Bilder, wie sie die alten Meister malten, sondern Befindlichkeiten seines inneren Seins in den jeweiligen Situationen. Bemerkenswert dabei ist, dass während der Nazizeit ab 1935 die ersten religiösen Bilder entstanden als Abwehr der Zeit und Ahnung des kommenden Krieges.

Baumann ist kein Kirchenmaler, seine religiösen Bilder sind Teil seines natur- und heimatverbundenen Wesens und sind volksfromm im wahrsten Sinne; geboren aus spontaner innerer Notwendigkeit und Ausdruck seines Einsseins der Schöpfung mit dem Heiligen. Er sieht sie auch als Einheit mit seinen Landschaften, Blumen und Stilleben und mit seinen Bildern einfacher bäuerlicher Menschen...Es sind Bilder dabei von der Ausdrucksstärke bester alter Meister, voll innerem Erlebnis und in straffster Form."

Otto Baumann wurde in Ostbayern vor allem als Maler von Landschaften, Portraits und Stilleben einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Zugleich schuf er "im Verborgenen ein aus seiner Auseinandersetzung mit dem Christentum entstandenes Oeuvre" (Achim Hubel).

Hermann Eller: O.T. (2001)

Das Bild entstand auf Einladung von Domvikar Dr. Werner Schrüfer im Sommer 2001 im Dom zur Regensburg. Hermann Eller versuchte sich den Gedanken Dr. Schrüfers zu Eigen zu machen, "die religiöse Botschaft des Domes sichtbar zu machen", gleichsam wie eine "geistliche Domführung" Schauen und Glauben, Finsternis und Licht, Lehre und Tat, Wort und Antwort ins Bild einfließen zu lassen.

Das Bild ist entstanden aus dem Blickwinkel des Dombesuchers, der in der Nähe zum Abgang der Bischofsgrablege steht und nach vorne in den Chorraum sieht. Ellers Thema ist das Licht, das sich durch die Fenster des Domes im Hauptchor Raum schafft und die Szenerie erleuchtet. Ein Ausschnitt der Schöpfung Gottes, die sich von Minute zu Minute neu erschafft im Wechsel der Intensität und der Farbigkeit des Lichtes. Blass dagegen, abstrakt, fassbar und doch nicht fassbar schillert mystisch der silberne Hochaltar unterhalb der hoch aufragenden Chorfenster.

Die untere Fensterreihe hat die Genesis, die Schöpfung der Welt zur Thematik und Eller versucht gleichsam schemenhaft diese Kreation des Stofflichen und des Lebendigen einzufangen im  Bild. Bunte, durchscheinende Farbflecken durchbrechen die Dunkelheit, heben sich ab von der Finsternis und lassen auf geheimnisvolle Weise erahnen, welch kreativ-schöpferische Kraft der Schöpfung innewohnt: Der Schöpfung Gottes, der Schöpfung des gotischen Baumeisters der Kathedrale, der Schöpfung des Glasfensterkünstlers und der Schöpfung des Malers Hermann Eller.

Petra Eschenlohr: Regensburger Dom (1995)

"Ich konstruiere gern." Schlicht fasst Petra Eschenlohr zusammen, was sie immer wieder zur Architektur als bevorzugtem Sujet führt. Prismatisch gebrochene Ansichten von Städten, von Bauwerken, Dächern, kristallinklare Linien, strenge, geradlinige Formen - das ist ihr Stil, der sich über die Jahre entwickelt hat, ein kubistischer Stil, umgesetzt in Lasurtechnik mit ihrer Faszination für Farben und Umrisse.

Das Verlangen zu malen spürte Petra Eschenlohr zum Ende ihres Ingenieurstudiums an der Fachhochschule Aalen. "Es ist von Menschen entdeckt und immer weiter gefördert worden", erinnert sie sich. Von 1988 bis 1992 war sie Schülerin des akademischen Malers Friedrich Tschischke, von 1992 bis 1993 bei Prof. Heribert Losert. Dabei blieb sie auf der Suche, experimentierte mit neuen Techniken. Sie wollte, so sagt sie heute, nie gewerblich malen, nicht den Druck, kreativ sein, etwas schaffen zu müssen.

Stadtansichten in der Freiheit, den Ort zu komponieren, gegenständliche Formen verfremdet in geometrischer, abstrakter Distanz: der Regensburger Dom erhebt sich in seiner manifesten zweidimensionalen Größe aus dem harmonischen Häusergewirr von scheinbarer Körperlichkeit, wird zum Himmel weisendes Zentrum der Stadt und des Bildes.

Sabrina Kuffer (*1980): Fotoinstallation "Schicksal - Dreizahl"

Ein triviales Zahlenspiel führte zur Ursprungsidee dieser Fotoinstallation von Sabrina Kuffer. Ausgehend von der Quersumme ihres Geburtsdatums folgte eine intensive Beschäftigung mit der Dreizahl, die sich in Vorstellungen der Welt und des Göttlichen wiederfindet.  

In der germanischen Mythologie beispielsweise, wird das Schicksal als Gruppe dreier Frauen gesehen, die über das Lebensalter und die Lebensqualität aller Menschen und Götter bestimmen. Die drei Nornen Urd, Skuld und Verdani symbolisieren Jugend, Entfaltung und Alter oder auch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie halten die Fäden des Schicksalsgewebes, in das die ganze Welt verstrickt ist.  

"In der fotografischen Umsetzung war mir wichtig, den persönlichen Bezug nicht zu verlieren. Deshalb zeigen die Bilder die Hände meiner Mutter und meiner Großmutter."

Ruth Lynen (*1945): Karfreitag - Im Haus meines Vaters (1993)

Als Bildträger verwendet die Künstlerin Ruth Lynen die Laibung einer alten Türe aus dem Benediktinerkloster Plankstetten, denn, so die Künstlerin "Klostertüren haben ihre Geschichte wie auch wir Menschen (über-)kommene Glaubensgeschichten haben."

Das Brett wurde manuell mit einem alten Holzbohrer von beiden Seiten in Kreuzform durchbohrt und mit Feuer angekokelt. Das so entstandene Loch ist mit Wachs aufgefüllt und mit einem Doch verbunden.

Der Karfreitag ist eine schwarze Fläche, die Trauer, Schmerz und Tod symbolisiert. Im Dunkel der Nacht, soll auch das eigene Leid, die eigene Trauer in Erinnerung gerufen werden. Jedoch wird am Karfreitag das Leiden und der Tod Christi gefeiert, weil im Licht des Glaubens Christus den Tod durch die Auferstehung überwunden hat. Schwarz wird verstanden als Farbe des Übergangs, der Wandlung: Dunkelheit in Leben, Dunkelheit in Glauben ? Kreuzerfahrungen.

Die weiße Seite weist hin auf das Kommende, die Verheißung Jesu in seinen Trostworten an die Jünger: "Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen bereitet".

Das verwendete Bienenwachs ist nicht nur Symbol für den Fleiß der Bienen, wie er im Exultet der Osternacht besungen wird, sondern hier vor allem ein Hinweis auf die vielen Wohnungen (Waben der Bienen), die bereitet sind. Das Dreieck, ein altes Symbol der Dreifaltigkeit Gottes, verdeutlicht die Beheimatung bei Gott.

Das Bild war bis zur ersten Ausstellung im Jahr 1993 unvollendet. Bei der Ausstellungseröffnung entzündete die Künstlerin den durch die Mitte reichenden Docht; zunächst von der weißen, dann von der schwarzen Seite. Die sichtbaren Tropfen aus Wachs sind Tropfspuren der Liebe von Gott zu den Menschen und umgekehrt. Alles trifft sich im Kreuzungspunkt, im Leid.

Das Bild, das nach den 5 Brettern der Installation "Wundmale Jesu" entstand, soll als ein Bild, als ein Werk verstanden werden. So wie alles im Leben eine Kehrseite hat, so sind auch die Menschen immer wieder zur Umkehr aufgerufen und berufen.

 

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